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Der rote Faden des Schicksals

In Manga- und Anime-Serien fließt immer ein Teil der japanischen Kultur mit ein. Neben den offensichtlichen Anspielungen verstecken sich auch hinter kleinen Details oft große Geschichten. Ein perfektes Beispiel dafür ist Mitsuhas Haarband aus dem bildgewaltigen Animefilm „Your Name“ bzw. Kimi no na wa (君の名は。) von Makoto Shinkai.
Dieses unscheinbare Haarband symbolisiert den roten Faden des Schicksals
(auf Japanisch: unmei no akai ito 運命の赤い糸).

Im japanischen und koreanischen Glauben ist dieser unsichtbare Faden um den kleinen Finger der Menschen gewickelt. Er soll diejenigen miteinander verbinden, die vom Schicksal dazu bestimmt sind, einander zu begegnen. Kein äußerer Umstand kann das verhindern, denn auch wenn sich der Faden schon mal verheddert, so kann er doch nicht reißen.
Die ursprüngliche Version dieser Legende stammt allerdings aus China.

Es gibt viele Variationen dieser Legende, eine davon ist diese:

Die Hexe des Schicksals

Vor langer Zeit lebte eine mächtige Frau, eine Hexe, welche die Fähigkeit besaß, den roten Faden des Schicksals zu sehen. Als der junge Kaiser davon hörte, ließ er sie zu sich rufen. Er bat sie darum ihn zum anderen Ende seines roten Fadens zu führen und ihm seine zukünftige Frau zu zeigen. Die Hexe war einverstanden. Sie folgten dem roten Faden aus dem Palast hinaus in die Stadt bis zu einem Marktplatz. Dort stand eine arme Frau vom Land, die mit ihrem Kind auf dem Arm ihre Waren verkaufte. Die Hexe ging direkt auf die Frau mit ihrem Kind zu und bat den Kaiser näher zu treten. „Euer Faden endet hier“, verkündete die Hexe.

Der Kaiser war fassungslos. Machte die Hexe sich über ihn lustig? Ein mächtiger Kaiser sollte eine verarmte, vom Land stammende Frau heiraten? Empört stieß er die Frau weg. Zusammen mit ihrem Kind stürzte sie zu Boden. Das Kind schlug mit der Stirn auf und begann zu bluten. Der Kaiser befahl seinen Wachen die Hexe gefangen zu nehmen. Er verurteilte sie dafür, dass sie ihn beleidigt hatte, zum Tode und ließ sie köpfen.

Als viele Jahre später die Zeit für den Kaiser kam zu heiraten, rieten ihm seine Berater zu der Tochter eines mächtigen Generals. Er folgte ihrem Rat. Als er nach der pompösen Feier den Schleier seiner Frau hob, bemerkte er eine Narbe auf ihrer Stirn. Die Hexe hatte doch Recht behalten. Seine Ehefrau war das Kind, welches der Kaiser vor all den Jahren zusammen mit ihrer Mutter von sich gestoßen hatte.

Unsere Lieblingsversion ist aber diese:
 

Die Legende des Gottes Yue Lao

 

Der junge Wei Gu trifft eines Nachts einen alten Mann im Mondschein. Über einen großen Sack gelehnt liest der Alte ein Buch. Als Wei Gu ihm neugierig über die Schulter schaut, merkt er, dass er die Zeichen im Buch nicht lesen kann. Interessiert fragt Wei Gu, was das für Schriftzeichen seien. Da erzählt ihm der alte Mann, dass er aus einer anderen Welt komme und in dem Buch nachliest, wer dazu bestimmt ist, miteinander verheiratet zu sein, damit er sie mit einem roten Faden aus seinem Sack, zusammenbinden kann.

Wei Gu ist skeptisch und fragt den Alten, wer seine zukünftige Frau sein soll. Daraufhin begleitet der alte Mann ihn zu einem Marktplatz, auf dem die Händler schon Vorbereitungen für den Morgen treffen. Der Alte deutet auf eine alte Gemüsehändlerin, die mit ihrer Tochter den Marktstand aufbaut: „Ihre Tochter, dieses Kind wirst du heiraten“. Als Wei Gus Blick auf  das kleine, hässliche Mädchen fällt, wird er wütend. Schockiert geht er nach Hause.
Um zu beweisen, dass der Alte sich irrt, befiehlt Wei Gu einem Gefolgsmann, das Kind zu töten.

Vierzehn Jahre später verliebt Wei Gu sich unsterblich in ein schönes, junges Mädchen und heiratet sie. Als er bemerkt, dass seine Frau eine Narbe zwischen den Augenbrauen hat, erzählt sie ihm, dass sie, als sie noch klein war, angegriffen wurde und es überlebt hat.

Der ausgesandte Diener hatte es nicht geschafft, das Mädchen zu töten, bevor ihre Mutter zurückkam. Er erwischte sie lediglich mit dem Dolch an der Stirn. Aus Scham, den Auftrag nicht erledigt zu haben, verschwand er, ohne Wei Gu davon zu berichten.
Vollkommen überrascht darüber, dass er tatsächlich die vorhergesagte Frau geheiratet hatte, beichtet Wei Gu ihr seine Tat. Ihre Liebe bringt sie dazu, ihm zu verzeihen und beide lebten glücklich zusammen.

Fazit

Beide Versionen der Legende beweisen, dass nichts, auch keine Vorurteile, zwei Menschen die mit dem roten Faden verbunden sind, trennen kann.
So wie die Your Name Charaktere Taki und Mitsuha weder Raum noch Zeit trennen konnte.

Auch in vielen anderen Manga und Anime kommt der rote Faden vor. Bei Hibike! Euphonium erscheint der Faden im Ending der ersten Staffel der Anime Adaption. Außerdem kann man den roten Schal, den Hinata Naruto im Film The Last: Naruto the Movie  gibt, auch als Symbol für den Faden des Schicksals verstehen.

Welche Variation der Legende gefällt euch am besten?

 

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